Biografie

Die aus Verona stammende Organistin Silva Manfrè verbindet eine ausgeprägte Affinität zur historischen Aufführungspraxis mit der Erforschung selten gespielter und neuer Werke des Orgelrepertoires. Ihre musikalische Ausbildung erhielt sie am Staatlichen Konservatorium von Verona und an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien; entscheidende Impulse gaben ihr das Studium bei Michael Radulescu sowie Meisterkurse u. a. bei Gaston Litaize, Guy Bovet, Bernard Brauchli, Esteban Elizondo, Harald Vogel, Lorenzo Ghielmi und Paolo Crivellaro. An der Scuola di Paleografia e Filologia Musicale in Cremona schloss sie ein musikwissenschaftliches Studium mit einer Dissertation über Orgelmusik des 20. Jahrhunderts ab und war Erasmus-Stipendiatin an der Universität Wien.

Ihre Konzerttätigkeit als Solistin und Kammermusikerin führte Silva Manfrè zu Festivals in Italien (Musica Antica a Magnano, Asiago Festival Internazionale, Festival Mozart Rovereto, Festival Serassi, Antichi Organi Varese u. a.), Frankreich (Festival International Orgues d’Été de Bordeaux), Österreich (Donaufestwochen Grein, Innsbrucker Orgelkonzerten, „Music for a while. Alte Musik in Bludenz“, Jeunesse und ORF/Ö1 in Wien u. a.), die Schweiz (Festival Antegnati in Bellinzona, Rassegna organistica Valmaggese), Slowakei (Festival Slovenské historické organy in Bratislava) sowie in Spanien, Slowenien, Tschechien und weiteren europäischen Ländern. Rundfunkaufnahmen entstanden für ORF/Ö1, Radio Klassik Stephansdom und die European Broadcasting Union.

Einen Schwerpunkt ihrer Arbeit bilden Ersteinspielungen und Wiederentdeckungen: Bei Brilliant Classics veröffentlichte Silva Manfrè die weltweit erste Gesamteinspielung von Ottavio Bariollas Ricercate per sonar d’Organo (1585) an der Antegnati-Orgel der Basilika Santa Barbara in Mantua (I) sowie Franz Xaver Anton Murschhausers Prototypon Longo-Breve Organicum, aufgenommen an der historischen Freundt/Richter-Orgel in Baumgartenberg (A); Diese Aufnahme wurde für den Preis der Deutschen Schallplattenkritik nominiert. Zentrale künstlerische Anliegen sind zudem Ur‑ und Erstaufführungen von Werken u. a. von Wolfgang Sauseng, Victor Estapé und Pier Damiano Peretti.

Nach ihrer Tätigkeit als Titularorganistin an der Cappella Musicale im Dom zu Padua wirkt Silva Manfrè heute als Hauptorganistin an der Piaristenkirche St. Thekla in Wien und ist seit 2018 Dozentin für Orgel, Kammermusik und Basso Continuo bei den Meisterkursen des Festivals Musica Antica a Magnano im Piemont (I). Neben ihrer musikalischen Tätigkeit beschäftigte sie sich intensiv mit Sprachen und Literatur, unterrichtet Italienisch an der Società Dante Alighieri in Wien – deren Vorstand sie mehrere Jahre als Vizepräsidentin mitprägte – und war als Übersetzerin u. a. für die Wiener Staatsoper, die Osterfestspiele Salzburg, die Bregenzer Festspiele, die Innsbrucker Festwochen der Alten Musik und das Festival Wien Modern tätig.

01/2026

Silva Manfrè _ CV 2026 dt

Foto: Silva Manfrè (© Julia Wesely)